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"Der Castortransport aus Schülersicht"

Was denken die Kinder und Jugendlichen, die im Wendland leben, über den Castor?
Wie erleben sie diese Tage? Welche Gedanken machen sie sich über die Zukunft des Wendlandes?
Zu diesen Fragen ist in der Drawehn-Schule in Clenze eine Sammlung von Erlebnisberichten entstanden, unmittelbar nach dem Castortransport, der im März 2001 stattgefunden hatte. Wir haben den Beitrag der 14-jährigen Rianna ausgewählt, der nach den Erfahrungen des letzten Transports aktueller ist denn je.
Rianna spricht für sich, aber vielleicht auch vielen Anderen aus der Seele.

Missachtung von Bürgerrechten auf Befehl

Während den Castor-Transporten musste ich oft etwas erfahren, das ich nie erwartet hätte und sehr erschreckend und unverschämt finde. Es handelt sich darum, dass die gegenwärtigen Polizeibeamten ohne zu zögern, auf Befehl der Einsatzleitung, unsere Bürger- und Grundrechte missachtet und extrem eingeschränkt haben.

Zum Beispiel wäre da das Grundgesetz, das jedem Menschen das Recht auf körperliche Unversehrtheit zusichert. Das Recht auf Demonstrationen nicht gewährleistet wird, haben wir ja zu genüge erfahren müssen. Zum Teil ist es durchaus verständlich, wenn die Polizisten bei gewaltätigen Übergriffen mit Gegengewalt räumen, aber friedliche Demonstranten mit Schlagstöcken und Wasserwerfern zu räumen, nur weil die Einsatzleitung befiehlt, dass es schnell gehen soll, finde ich persönlich nicht in Ordnung!

Da wäre auch das Recht auf Versammlungs- und Demonstrationsfreiheit, das sehr stark durch diverse Verbote eingeschränkt wurde. Auch dieser Sondererlass, der besagte, dass man 50 m Abstand zur Transportstrecke halten muss, konnte von uns friedlichen Demonstranten nicht in Anspruch genommen werden, da uns diverse Polizeibeamte an diversen Stellen der Transportstrecke nicht erlaubten, bis 50 m heranzugehen. Wir mussten uns stets dort aufhalten, wo die Polizeisperren errichtet wurden. Und oftmals wurden die Polizeisperren in ca. 200 m Entfernung errichtet.

Wir haben sehr viele Polizisten auf unsere Rechte aufmerksam gemacht und wollten unsere Rechte in Anspruch nehmen. Auf die Frage, warum uns dies verwehrt wurde, erhielten wir stets die gleichen Antworten: "Weil ich es sage!" und "Befehl der Einsatzleitung!"

Dass die Polizeikräfte unsere Rechte so missachteten, nur weil es ein Befehl war, finde ich sehr krass. Dabei ist es doch die Polizei, die dafür entwickelt wurde, unsere Rechte zu schützen. Warum werden solche grundlegenden Dinge immer unwichtig, sobald viel Geld und Macht im Spiel sind?

Da stellt man sich doch wirklich die Frage, ob wir in einem demokratischen Staat, oder in einem Polizeistaat leben!

- Rianna Ganßauge -
 

 

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