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'Front End' der nuklearen Brennstoffkette

Auf der Urankonferenz in Münster im März diesen Jahres referierte Dave Kraft aus den USA von der NEIS-Organisation. Unter den Begriff "Front End" fällt in den USA alles, was mit dem Uran geschehen muß, bevor es als Brennstoff in Kernkraftwerken genutzt werden kann. Der nachfolgende Artikel gibt Sachinformationen zu diesem Thema wieder. Weitere spannende Nebenthemen in dem Referat waren das erst vor kurzem genehmigte Endlager in Nevada, die Kriminalisierung von Atomkraftgegnern seit dem 11. September und die Zusammenarbeit im Widerstand mit den Ureinwohnern Amerikas.
Dave Kraft war in den Tagen unmittelbar vor dem letzten Castortransport im Wendland zugegen.

Uranminen & Mühlen

Uranerz wird als Einlagerung in Sandstein oder anderen Felsenformationen gefunden. Uranvorkommen sind begrenzt und werden eines Tages erschöpft sein, genauso wie fossile Öle. Es ist keine regenerative Energiequelle. Uran wird abgebaut durch Grabung, Bohrung und Pumpwasser. Das Zermahlen geschieht normalerweise auf dem Minengelände oder in der Nähe davon. Es entsteht dadurch ein Gemisch aus den Uraniumoxiden U-238 und U-235, bekannt als ÑYellowcake" mit einem Aussehen von gelbem Ton. Der Mahlprozeß erzeugt gewaltige Mengen von stark radioaktivem Abfall, die sogenannten Tailings und beinhaltet große Mengen von radioaktiv kontaminiertem Abwässern. Gefördertes Uran und Abraum sehen aus wie gewöhnlicher Sand, Schotter, Staub und Schlamm. Sie werden oft unbezeichnet und unbewacht zurückgelassen, sodaß nicht informierte Menschen nicht wissen, daß sie sie meiden müssen. So ist es vorgekommen, daß Kinder in den Abraumhalden gespielt haben.

99.9% vom Originalgewicht des Erzes sind Abfallprodukt und enthält noch 85 % seiner Radioaktivität. Mühlenabfall enthält auch andere giftige Chemikalien und Schwermetalle, solche wie Arsen,Ammonium und Säuren. Die ionisierende Strahlung in diesem Abfall verstärken die Wirkung dieser tödlichen Gifte. Diese Abraumhalden geben große Mengen Radongas ab. Die Abfälle werden vom Wind als Staub herumgeblasen und sickern ins Grundwasser. Freigesetztes Uran schädigt gravierend die Gesundheit, insbesondere verursachte es Nieren- und Leberschäden, führte zu einem dramatischen Anstieg der Lungenkrebsrate und löste viele Fälle von geistigen und körperlichen Geburtsschäden aus.

Strahlung sammelt sich in der Nahrungskette nach oben hin an.. Eine kleine Dosis, aufgenommen von einer weidenden oder verseuchten Wasser trinkenden Kuh, wird zu einer bedeutend höheren Dosis für denjenigen, der die Milch der Kuh trinkt oder ihr Fleisch ißt.Wegen der Vielzahl der Organismen in der Wassernahrungskette ist Fisch besonders empfänglich dafür, durch Strahlung Verseuchtes zu konzentrieren.

Ökologisches Unrecht- Indigene Völker&Uran

In den Vereinigten Staaten und in Kanada werden wegen dem Interesse an Uranabbau die Ureinwohner Amerikas ausgebeutet. Zum einen werden sie als billige Arbeitskräfte ausgenutzt, zum anderen wird ihr Land verseucht. In Australien geschieht genau das Gleiche mit den Aborigenes und ihrem Land. Uraninteressen haben im Normalbetrieb indigene Arbeiter vergiftet und die verarmten Gemeinschaften haben keine angemessene Gesundheitsfürsorge oder soziale Dienste, diesem zu begegnen. Die Mißbräuche sind schockierend. Die Navajos erhielten 1984 nur 3.4% des Marktwertes für das Uran, das von ihrem Land genommen wurde und die Arbeiter bekamen einen nahezu minimalen Lohn für ihre extrem gefährliche Arbeit. Die Übersetzung von Informationen über die Gefahren des Uranabaus in die Sprache der Einheimischen stellen beachtliche Schwierigkeiten dar. Oft wurden indigene Gemeinschaften überhaupt nicht über die Gefahren informiert.

Im Navajoreservat wurden Häuserfundamente, selbst ganze Häuser aus den Uranabraum gemacht, welcher als einfach zu verarbeitendes Baumaterial angesehen wurde. Die Regierung verweigerte kürzlich jegliche Hilfe, diese Behausungen zu entsorgen. Am 16. Juli 1979 brach in Church Rock, New Mexiko ein Damm eines Tailingsbeckens der Vereinigten Nuklear Gesellschaft und rund 400 Millionen Liter von hochgiftigem und radioaktiv verseuchten Wasser ergossen sich in den Puerto Rico. Dieser Fluß ist die einzige Wasserquelle für die Navajos in dem Gebiet, sowie auch für ihr Vieh. Dieses Wasser verursachte Verbrennungen, die zu Infektionen führten und bei einigen Opfern Amputationen erforderlich machten. Den Opfern wurde nur ein außergerichtlicher Vergleich von 525,000 $ angeboten, das bedeutete für jeden Einzelnen 2000 $, und das unter der Bedingung , daß sie auf das Recht verzichteten, die Vereinigte Nuklear Gesellschaft zu verklagen. Säuberungsarbeiten um den Puerto Rico fanden im völlig unangemessenen Rahmen statt. Die Verseuchung wurde stromabwärts durch Arizona getragen, bis zum Colorado River in Kalifornien. Gesundheitsbeeinträchtigungen halten bis heute an. Die Katastrophe von Puerto Rico war nur die größte von vielen Überschwemmungen, die sich in diesem und angrenzenden Uranabbaugebieten ereignet haben.

Anreicherung durch Gasdiffusion

Die U-235 Atome in Yellowcake sind nicht konzentriert genug, um als normaler Reaktorbrennstoff brauchbar zu sein. Ein Prozess, genannt Gasdiffusion, wird genutzt um hinreichende Konzentrationen von U- 235 zu erzielen.

Dies geschieht in riesigen Anreicherungsanlagen. Diese Anlagen gehören zu den größten Industrieanlagen der Welt. Sie nehmen Hunderte von Quadratkilometern ein , zirkulieren Millionen Liter Wasser und verbrauchen eine ungeheure Menge an Strom. Sie gehören weltweit mit zur Spitze der FCKW-Aussender. FCKW sind dermaßen schädliche Treibhausgase, daß sie kürzlich erst in globalen Verträgen verboten wurden. Die Energie, die ausgegeben wird, um Kernbrennstoff zu schaffen, gleicht -und das ist ernst gemeint- die Summe der Energie aus, die in Kernreaktoren produziert wird. Anhänger der Atomenergie vergessen regelmäßig diesen wichtigen Faktor, wenn sie Vergleiche über Energieeffizienz anstellen.

Während der Anreicherung wird Yellowcake in Uranhexaflourid umgewandelt, welches, wenn es etwas heiß ist, zu einem explosivem und Korrosion verursachendem Gas wird. Dieses Gas wird gekühlt und durch eine Serie von Diffusionskammern gepumpt, in welchen es durch Membrane aus porösem Nickel geleitet wird. Dadurch wächst die Konzentration von U-235 langsam an, bis sie einen Stand zwischen 3% und 5% erreicht hat. Dieses Endprodukt der Gasdiffusion ist angereichertes Uranhexaflourid, ein Gas. Während diesem Prozeß werden große Mengen von flüssigen, gasförmigen und festen radioaktiven und anderen giftigen Abfällen erzeugt. Diese Abfälle enthalten Uran 238, welches für die Herstellung von Atomwaffen gebraucht wird. Radioaktiv verseuchtes und hochgiftiges Wasser wird aus diesen Anlagen routinemäßig direkt an die Umwelt freigegeben, geschehen in den Gasdiffusionsanlagen in Paducah, Kentucky, Ohio & Oak Ridge, Tennessee.

Fabrikation von Kernbrennstäben

Es werden große Mengen von radioaktiven gasförmigen und flüssigem Abfall freigegeben, während angereichertes Uranhexaflourid gebacken wird, bis es sich verfestigt und in die Form von kleinen Keramikkügelchen gebracht wird. Diese Brennstoffkügelchen werden in dünne Metallstäbe gefüllt, welche im Reaktorkern dazu gebraucht werden Wasser zu kochen. Brennstofffabrikation ist für die Arbeiter extrem gefährlich. Die eingeschlossenen Materialien können sich verflüchtigen. Die Art der Strahlung die von Uranbrennstoffen ausgeht, wenn sie eingeatmet wird, erhöht in großem Maße das Krebsrisiko, besonders das von Lungenkrebs. Viel von dieser Arbeit wird über Handschuhboxen oder ferngesteuert verrichtet. Ein Unfall einer Brennstofffabrik am 30. September, 1999 in Tokaimura, Japan tötete zwei Arbeiter und setzte Hunderte von Zivilisten hohen Strahlungsdosen aus.

- Donald Keesing - June 2001
World Information Service on Energy ( WISE ) Uranium Projekt
http://www.antenna.nl/wise/uranium

Übersetzung: M. Seffers-Michalski

 

Castortransport November 2001

Schatten X
Foto: W.Lowin

 

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