Wie kam es damals zustande, daß ihr Euch zur „Initiative 60" zusammengefunden habt? Wie lange liegt es zurück?
Die „ Initiative 60“ gibt es seit 1984. Wir haben den Anfang nicht miterlebt, da haben wir noch in Berlin gewohnt. Es waren damals Marianne Fritzen, August Quiz und Waltraud Brückner, die auf die Idee kamen alle Sechzigjährigen der BI Umweltschutz anzuschreiben und so eine Widerstandsgruppe der älteren Generation zu gründen. Die „Ini 60“ besteht heute aus rund 20 Aktiven, im Laufe der Zeit sind wir natürlich älter geworden.
Worin seht Ihr Eure Aufgabe?
Rückenstärkung wäre das Wort, was mir als erstes einfällt. Den Jungen den Rücken stärken. Jetzt, wo wir älter sind, können wir nicht mehr in vorderster Reihe stehen, aber wir sehen immer noch eine Aufgabe darin, Aufklärungsarbeit zu leisten.
Was bedeutet es, als älterer Mensch im Atomwiderstand zu sein?
Wir können manches, was Junge nicht so können. Wir haben weniger zu verlieren, brauchen zum Beispiel keine Angst um einen Arbeitsplatz zu haben. Wir können ganz anders mit den Polizisten reden, sie lassen sich etwas mehr von uns sagen. Beim Castortransport im März konnten wir in Laase einen Pendelverkehr einrichten und Demonstranten durch die Polizeisperren zum Sachenholen zu ihren Fahrzeigen fahren und wieder zurück.
Was ist der Antrieb, die Kraft dafür?
Wir haben Verantwortungsgefühl, wir tun es für die Kinder und Enkelkinder. Und dann auch, weil wir Christen sind. Ich (Ingrid C.) habe vor Jahren ein lange und schwere Krankheit überstanden. Ich hatte danach das Gefühl, das Leben noch einmal neu geschenkt zu bekommen. Das gibt mir auch im Widerstand viel Mut. Dann schöpfen wir natürlich aus der Gruppe Kraft, dadurch das wir uns vertraut sind und uns hundertprozentig aufeinander verlassen können.
Was fällt Euch spontan als besondere Begebenheit in Eurem Widerstand ein?
Die Platzbesetzung des PKA-Baugeländes 1989. Die Polizei hatte die Räumung schon angekündigt. Der Vorschlag kam auf, daß wir als „Ini 60“ stellvertretend für Alle den Platz besetzt halten könnten. Wir waren froh, daß alle ohne Aufschreiben und friedlich vom Platz runter konnten. Sie haben sofort angefangen die Bäume zu fällen, während wir noch da saßen. Dann wollten sie uns einen Polizeipfarrer zur Betreuung schicken,- denen haben wir gesagt, daß wir zwei Theologen unter uns hätten. Als sie uns schließlich geräumt hatten und die Personalien aufschreiben wollten, sagte ein Polizist: „Laßt sie bloß laufen! Sie machen uns mehr Ärger, als die Sache wert ist."
Wie habt Ihr den letzten Castortransport erlebt, bzw. empfunden?
Als unverhältnismäßig. Von einer Bekannten haben wir erzählt bekommen, wie sie von einem Polizeihund gebissen wurde. Diesmal waren wir Gastgeber , wir hatten zwei Studenten aus Bochum bei uns. Da waren wir jedesmal froh, wenn sie wieder heile angekommen sind. Im Vorfeld haben wir in Lüchow auf dem Markt und in Dannenberg als Gruppe Infoarbeit gemacht.
Gibt es etwas, was Ihr als „Ini 60“ dem Widerstand mit auf den Weg geben wollt?
Weitermachen, nicht aufgeben!