Foto: W. Lowin
Wenn wir vom Widerstand gegen den Castortransport im November 2002 berichten, können wir auf viel Spaß und gute Laune zurückblicken: Am Samstag vor dem Castor die Auftaktkundgebung mit Willem Wittstamms Show »Wetten das nicht....«, am Sonntag die Aktion »Das Wendland wird ver-rückt«, am Montag, (dem 11.11.) eine Karnevalsdemo unter dem Motto »Der Zug kütt« und viele, viele komische Situationen am Rande. Das Wendland zeigt Galgenhumor, und das obwohl, oder gerade weil die Lage bitterernst ist. Das radioaktive Risiko, welches in jedem Castorbehälter schlummert, erhöht sich mit jedem Behälter, der neu ins Zwischenlager kommt. Am Endlagerprojekt Salzstock Gorleben, das nach rationeller und wissenschaftlicher Überlegung und Untersuchung her völlig ungeeignet ist, wird von Seiten der Atomwirtschaft beharrlich festgehalten und auch eine rot-grüne Regierung schafft es nicht, das Projekt vom Tisch zu wischen.
Infolgedessen sind es immer wieder Tausende von Menschen, die in den Tagen des Castortransportes ihren Unmut auf der Straße zeigen und sich das vom Staat nicht verbieten lassen. Je größer die Repression durch Polizei und Rechtsbehörden, um so entschlossener, aber auch bunter, phantasievoller und vielfältiger der Widerstand. Dies war im November 2002 sichtbar.
Während wir international große Solidarität erleben, gilt auch unser Blick den radioaktiven Gefährdungen in anderen Teilen der Welt, insbesondere den Menschen , die existentiell durch den Beginn der Atomspirale, durch den Uranabbau, bedroht sind. Im vergangenen Jahr hatten wir drei Australienbesucher im Wendland und unsere Perspektive ist eine gemeinsame Kampagne, die aufzeigt, wie deutsche Firmen in Australien durch das Urangeschäft die Umwelt und Menschenleben dort bleibend schädigen. Das von Greenpeace organisierte Endlagerhearing kurz vor dem Castortransport in Dannenberg wirft ein Licht auf den weltweiten Endlagersuchprozeß: Es gibt bislang kein Endlager und die Akzeptanz der Bevölkerung für mögliche (aber niemals wirklich sichere) Standorte wird mit geldschweren Kampagnen erkauft. Je tiefer wir uns mit dem Thema Atomenergie beschäftigen, umso größere Notwendigkeit sehen wir, uns mit aller Kraft zu wehren, wenn ein Castortransport ins Wendland rollt.
Thomas Seffers & Magdalene Seffers-Michalski
Foto: T. Seffers