» Homepage » Übersicht Widerstandskraft Nr. 2
Beiträge: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14

Tür und Tor offen für den Widerstand


Foto: W. Lowin

Wochen bevor der bisher größte Transport mit Atommüll in das norddeutsche Zwischenlager in Gorleben rollte, wurde die ganze Region wieder zu einer Einrichtung für die Polizeiarmee, welche Gleise, Brücken, Straßen, Kreuzungen, Waldwege, Hügel, Dörfer entlang der 50 km langen Bahnstrecke von Lüneburg nach Dannenberg und 20 km Straße von Dannenberg nach Gorleben kontrolliert.

Während dieser Wochen, bevor der Castor Transport ankommt, »grünt« die Gorleben-Region überall von bewaffneter Polizei: Auf Bahnhöfen den und Tankstellen, auf Parkplätzen, in Supermärkten, auf den Straßen.


Foto: W. Lowin

Die gesamte Region fühlt den Polizeistaat, der kontrolliert und kriminalisiert. Die Bahnhöfe der kleinen Städte Hitzacker und Dannenberg zum Beispiel verwandeln sich in NATO-Draht bewehrte militärische »Hauptquartiere«. Die Menschen geben jedoch nicht klein bei. Die Mehrheit tritt den Einschüchterungen und der jährlich liehen »Generalprobe des Atomstaates« mit Kreativität und Courage entgegen. Sie kommen zusammen, um ihre Häuser zu öffnen für Gäste aus ganz Deutschland und dem Ausland, die in Solidarität gegen die Atompolitik angehen.

Was macht sie so empört? Der sogenannte »Atom-Konsens« im Interesse der Atomindustrie bringt noch mindestens 3 Jahrzehnte Atommüllproduktion in Deutschland, durch Urananreicherung, AkWs und die Müllvermehrung bei der »Wiederaufarbeitung« deutschen Atommülls in La Hague, FR und Sellafield, GB. Außerdem droht, daß der Geriebener Salzstock zum Endlager für hoch radioaktiven Müll wird, obwohl es wissenschaftliche Warnungen gibt wegen der Gefahren, die mit der Lagerung von Atommüll in Steinsalz verbunden sind. Im November 2002 öffneten Bauern und andere Nachbarn im Dorf Metzingen, (5 km von der Castorstrecke entfernt und nahe einer Bundesstraßenkreuzung) ihre Häuser, Scheunen und Höfe für Gäste, die aus ganz Deutschland kamen, um in Solidarität gegen den Atomtransport Widerstand zu leisten. Eine Scheune war dekoriert mit dem Slogan:

Tür und Tor offen für den Widerstand!


Foto: W. Lowin

Dort konnten die Menschen zusammenkommen, um miteinander zureden, Informationen auszutauschen, zu essen und zu trinken und um eine Weile auszuruhen. Natürlich schätzte der Polizeipräsident des Castor-Manövers die Formen des nachbarschaftlich gestärkten Widerstandswillens überhaupt nicht. Im Jahr davor hatte er noch sämtliche Camps räumen lassen und die Polizeiarmee zum »Herrn der Straße« ernannt. Die Gastfreundschaft in den Dörfern jedoch zeigt, daß die Menschen ihre Bewegungsfreiheit, ihre Freiheit zusammenzuleben und zusammenzukommen verteidigen wollen, auch um sich gegenseitig zu ermutigen und in Solidarität Übergriffe der Polizei abzuwehren. Ein solches Beispiel ereignete sich fünf Tage vor dem eigentlichen Castortransport, am Freitag, dem 22. November in Metzingen....

Ein Polizeifahrzeug verfolgte einen PKW, der auf seiner Ladefläche Material für die Einrichtung des Infostandes Metzingen transportierte, bis auf den Hof eines Bauern. Die Polizei drang illegal auf den Hof vor und versuchte die Menschen einzuschüchtern, indem sie den Ausweis vom Gastgeber verlangte und Menschen herumschubste. Der Bauer weigerte sich, sich auf seinem eigenen Grund auszuweisen und bat die Polizei, den Hof zu verlassen. Die weigerte sich ihrerseits. Inzwischen hatten Nachbarn andere Bauern benachrichtigt, die auf Treckern zur Hilfe kamen. Jetzt war das Polizeifahrzeug festgesetzt durch die parkenden Trecker. Eine weitere Hundertschaft wurde von der Polizei angefordert. So trug die Polizei selber zu einer völlig unnötigen Eskalation der Situation bei. Um die festgefahrene Situation aufzulösen, schlug der Bauer vor, die Ausfahrt zu räumen, wenn der Einsatzleiter seinen Ausweis zeigen würde. Die Polizei leistete nicht länger Widerstand. Im Gegenzug wies sich der Bauer dadurch aus, dass er auf den Namen auf dem Feldstein vor seinem Haus zeigte, womit das Informationsbedürfnis der Polizei zu diesem Zeitpunkt gestillt war.

Ilona Joerden

 

» Homepage » Übersicht Widerstandskraft Nr. 2
Beiträge: 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 13 14

 

http://www.widerstandskraft.org - © Magdalene Seffers-Michalski - Beesem 19, 29487 Luckau
magdalene@widerstandskraft.org - Tel. 05844 - 97 61 52