Judy Treichel
Foto: Magdalene Seffers-Michalski
Judy Treichel aus den USA war zu den Castorprotesten im November 2002 im Wendland zugegen. Auf dem internationalen Endlagerhearing von Greenpeace in Dannenberg sprach sie von Yucca Mountain, dem geplanten nationalen Endlager in den USA. Ihr Fazit:« Es gibt keine sichere Endlagerung und die Suche nach Endlagern dient der weiteren Müllvermehrung. Zuerst muß der Ausstieg aus der Atomenergie vollzogen werden. Dann muß es wohl oder übel Gebiete für radioaktiven Müll geben die als geopferte Erde zu betrachten sind.«
Nachfolgenden Beitrag verfaßte Judy Treichel im Dezember 2002:
Falls Sie hören, das Atommüllproblem in den U.S.A sei gelöst , so ist diese Botschaft falsch.
Anfang 2002 empfahl die Bush Administration Yucca Mountain in Nevada als nationale Müllkippe für hochradioaktive Stoffe. Der U.S Kongress stimmte der Empfehlung zu.
Seit vielen Jahren versuchte der Staat von Nevada Gerichtsverfahren gegen das Yucca Mountain Vorhaben anzustrengen, aber die Gerichte stellten fest, dass die Verfahren nicht durchgeführt werden könnten, weil das Gelände nur erkundet würde. Erst wenn die Entscheidung fiele, die Müllkippe wirklich in Nevada zu bauen, könne der Staat dagegen klagen. Im Laufe des Jahres 2002, nach der Entscheidung des Kongresses, erhob der Staat Nevada fünfmal Klage und wahrscheinlich eine weitere gegen Ende 2002.
Kurz bevor Yucca Mountain empfohlen wurde, änderten drei Bundesbehörden ihre Regeln, so dass das Gelände als geeignet für eine atomare Müllkippe befunden werden konnte. Drei der anstehenden Gerichtsklagen gelten diesen Änderungen. Entsprechend den laxeren Regeln entschied der Energieminister, dass das Gelände geeignet sei und empfahl es dem Präsidenten. Der Präsident stimmte zu und legte dem Kongress die Entscheidung vor. Zwei weitere Gerichtsklagen seitens Nevadas versuchen diese Empfehlung zu Fall zu bringen, weil sie auf unangemessenen Standards und Regeln beruht.
Es wird erwartet, dass die letzte Klage schnell zu einem Gerichtsverfahren führt und die Verfassungsmäßigkeit Entscheidung für Yucca Mountain in Frage stellt. 80% der Bevölkerung Nevadas sind stark gegen das Vorhaben, und der Staat hat zwei Gesetzte erlassen, welche Transporte und Lagerung von hochradioaktiven Stoffen in Nevada verbieten. Rechtsanwälte und Bürger in Nevada glauben, dass es verfassungswidrig ist, wenn die Bundesregierung das Atommülllager gegen den Willen der Bevölkerung in diesem Staat Vor kurzem haben einige Mitarbeiter des Yucca Mountain Projektes berichtet, dass es schwerwiegende qualitative Mängel in der wissenschaftlichen Arbeit gibt. Als sie darauf bestanden, dass diese Mängel zu beheben seien, wurden sie entweder gemaßregelt oder entlassen. Nevadas Abgeordnete verlangen nun eine sorgfältige, unabh¨ngige Untersuchung.
Das Yucca Mountain Projekt war von Anfang an ein Beispiel für schlechte Politik hinsichtlich öffentlicher Belange. Es gab keine öffentliche Zustimmung für die Entscheidung der Bundesregierung, was die Atommüllprogramme oder gar die nationale Nutzung der Atomenergie angeht. Viele ähnliche Situationen in anderen Ländern haben zu erfolglosen Versuchen von Regierungen geführt, Atommüllager für die Endlagerung zu bauen.
Das Yucca Mountain Projekt ist eines der teuersten der Welt. Vor 25 Jahren wurden die ersten Gesteinsproben entnommen und seitdem über 7 Milliarden $ ausgegeben. Viele unabhängige Wissenschaftler meinen, dass ein großer Teil der Anstrengungen darauf zielten, das Gelände geeignet erscheinen zu lassen. Ein gutes wissenschafltiches Programm hätte versucht, die Probleme so früh wie möglich zu benennen; wäre dann herausgefunden worden, dass das Gelände den (Atom)Müll nicht für seine gesamte gefährliche Lebenszeit, (sprich Strahlungsdauer) isolieren würde, hätte es aufgegeben werden können , bevor noch mehr Zeit und Geld dafür ausgegeben wurde.
Eines der größeren Probleme beim Yucca Mountain Projekt sind die unlogischen Argumente der Befürworter. Sie behaupten, dass das Lager in Nevada notwendig sei, weil es zu gefährlich wäre, den hochradioaktiven Müll auf hundert Orte im ganzen Land zu verteilen. Jedoch, schon den Atommüll nach Nevada zu transportieren ist äußerst gefährlich.
Der hochradioaktive Müll würde per Bahn, Lastwagen und Schleppkähnen reisen. Er würde vom Osten der U.S.A, wo die meisten der Reaktoren stehen, nach Nevada kommen. Von einigen Atomanlagen aus beträgt eine Strecke zwei- oder dreitausend Meilen. Der Atommüll wird über einen Zeitraum von etwa dreißig Jahren durch mehr als hundert große Städte reisen und teilweise auf den größeren nationalen Wasserwegen. Falls Terroristen entscheiden , die U.S. A in der Zukunft anzugreifen, könnten diese Transporte verlockende Ziele sein. Viele Menschen sind gegen diese Transporte quer durch das Land. Es ist auch unlogisch zu sagen, dass Yucca Mountain eine Lösung bietet, denn die Reaktoren produzieren weiter Atommüll, so dass bei Erreichen der Lagerkapazität (in Yucca Mountain) alle Seiten zustimmen, dass dann genauso viel Atommüll im Lande verteilt sein wird wie jetzt auch. Außerdem begünstigt die Bush -Administration eine neue Energiepolitik , die fordert, noch viel mehr Atommüll produzierende Atomkraftwerke zu bauen, und die Politik sagt, Yucca Mountain sei wichtig dafür. Ein Atommüllager in Yucca Mountain zu haben , erlaubt der Atomindustrie, der Öffentlichkeit zu erzählen, dass das atomare Müllproblem »gelöst » sei. In der Tat - ein Yucca Mountain Atommülllager hat zum Ergebnis noch mehr Atommüll.
Judy Treichel, Vorsitzende der NEVADA NUCLEAR WASTE TASK FORCE
Übersetzung: Ilona Joerden